Erbauer und erster Eigentümer von Haus und Grundstück ist mit Siegmund Jacob (1874-1944) aus Berlin ein Mann vom Film. Jacob ist UFA-Direktor, Mitglied des vierköpfigen UFA-Vorstandes und schon zu dieser Zeit höchst umstritten…..

  Haus mit wechselvoller Geschichte: Villa Berglas.

Jacob ist einige Jahre später pleite und das Grundstück samt Haus geht im Jahre 1932 an den 35jährigen Kaufmann Alfred Berglas (1897-1968) aus Berlin. Berglas entstammt einer jüdischen Familie und ist Geschäftsführer und Alleininhaber der „Treuhandgesellschaft für juristische Personen mbH” in Berlin.  Alfred Berglas ist zusammen mit seinen Brüdern Max und Alexander Inhaber der Firma „Gebrüder Berglas Mechanische Webereien AG Berlin” mit Sitz am Hausvogteiplatz 5-6 in Berlin und einigen Dependancen im mittleren Deutschland. Er lebt zusammen mit seiner Frau Emmy (1899-1972) in der Villa am Schwielowsee. In einem perfide eingespielten System von NSDAP, Behörden und Banken erfolgt in den Jahren 1938/39 die umfassende Enteignung des Juden Alfred Berglas von seinen Firmen und seinem privaten Grundbesitz. Darunter ist auch die „Villa Berglas“ im kleinen Petzow, das 1929 der Stadt Werder zugeschlagen wurde.

Neue Eigentümerin ist ab 1940 Leonora Solm, geb. Agnew.  Ihr Mann, Fritz Solm (1899-1946), aktiver Nationalsozialist und SS-Mitglied seit 1933, ist Mitarbeiter bei der Wehrmachtpropaganda im Dienstgrad Major (Rittmeister). Möglicherweise spielte dieser Umstand eine Rolle bei dem Zuschlag für die Solms. 1946/47 verkauft die in Köln wohnende Witwe Leonora Solm die Villa an die sowjetische „Garantie- und Kreditbank AG Berlin” für 400.000 Reichsmark. Die Bank nutzt das Anwesen am Schwielowsee als Direktionsgebäude von Anfang 1947 bis 1954.

Am 1. Januar 1955 pachtet der Deutsche Schriftstellerverband (ab 1973 Schriftstellerverband der DDR)  auf der Grundlage eines Vertrages vom 30. Oktober 1954 von der Garantie- und Kreditbank AG zunächst das  Anwesen und zieht am 5. Februar 1955 in das Haus ein.  1956 vollzieht ein notarieller Vertrag die Überführung des Anwesens in „Volkseigentum“, Rechtsträger wird das Ministerium für Kultur der DDR, das seinerseits im gleichen Jahr einen Nutzungsvertrag mit dem Deutschen Schriftstellerverband abschließt. Das Haus erhält den Namen „Friedrich Wolf”. Bis 1990 gilt das Schriftstellererholungsheim  als ein Domizil zum Arbeiten und Erholen für Schriftsteller aus dem In- und Ausland und solche, die es werden wollten.

1993 stellt die Erbengemeinschaft der Familie Berglas einen Antrag auf Rückübertragung. Die erfolgt im Jahre 2001. Bis dahin hatte das Haus infolge seines Leerstandes, aber auch ein paar abenteuerlicher Mieter, unter zunehmendem Verfall zu leiden.  

Im Jahr 2003 verkauft die Erbengemeinschaft Berglas das Anwesen an Privatleute, die damit in Petzow einen neuen Wohnsitz finden und alsbald mit der originalen Wiederherstellung der Gebäude und der Sicherung historischer Bausubstanz beginnen. Die Restaurierung der Villa ist 2008 weitgehend abgeschlossen, Nebengebäude und Garten werden detailgetreu und mit großer Sachkenntnis wieder hergerichtet bzw. umgestaltet. Das Haus erhält den Namen „Villa Berglas“.

(aus: K.-H.Friedrich "Petzow. Relativ absolut", BoD-Verlag 2017, ISBN 978-3-7431-9258-4)